René Gabriel
Produktion: 235'000 Flaschen. Was mir am Margaux 1996 so gefällt, ist seine Reinheit, die Aromen von kleinen Beeren und dieser sanft florale Touch, welcher ihm die Würze gibt. Der Wein ist derartig gut balanciert, dass man ihn vielleicht unterschätzen könnte. Der 94er war immer von etwas harten Tanninen durchsetzt. Der 95er ist rund und füllig, den 96er könnte man sicherlich als Margaux-Klassiker beschreiben. Ein grosses Cabernet-Jahr. Assemblage des Jahrganges 1996: 85% Cabernet Sauvignon, 10 % Merlot, 5 % Petit Verdot. Fassprobe (19/20): Klassisches Margaux-Bouquet, ein Spiel von roten und blauen Beeren, Edelhölzer, sehr vielschichtig, reif, distinguiert. Im Gaumen finessenreich, superb balanciert, fast tänzerisch mit seidenem Extrakt bestückt, ausgeglichene Adstringenz, sehr lang mit einem aromatischen, fast parfümierten Frucht-Rückaroma. Ein langlebiger, grosser Premier Grand Cru der femininen Art. Während der 97er Primeur-Degustation wieder nachdegustiert: Würzig süsses Edelholzbouquet, zeigt so – ohne ihn degradieren zu wollen – eine gewisse Sangiovese-Affinität, sehr komplex. Im Gaumen fleischig, schwarzer Pfeffer, viel Cassis und Brombeeren, die Struktur wirkt im Moment durch die Reduktion sehr komprimiert, strahlt aber ein grossartiges Potential aus. 00: Extrem dichtes Purpur, satt in der Mitte, am Rand violette Reflexe. Weit ausladendes, parfümiertes Maulbeerenbouquet, dahinter Caramel, reife Pflaumen, Dörrfrüchtenote und Palisanderaromen, wirkt trotz seiner Verschlossenheit schon erstaunlich zugänglich in der Nase. Im Gaumen enorm saftig, darunter eine gaumenfüllende Adstringenz, reife und doch präsente Tannine, die dermassen mit Aromen gespickt sind, dass sie dem Wein ein gewaltiges und extrem langes Finale verleihen. Klar der überragendste, weit überlegenste Wein der Appellation Margaux (19/20)! 02: Die tiefste Farbe gegenüber seinen Rivalen; dichtes, sattes Purpur mit schwärzlichen Reflexen darin. Rauchiges, tiefes Terroirbouquet, dunkle Waldbeeren, schwarze Schokolade, Palisandernote, durch und durch nobel mit erhabenem, parfümierten Weinduft. Stoffiger, konzentrierter Gaumen, umfassende Adstringenz, deutliche, reife Cabernet-Würze und schwarzpfeffriger Petit Verdot, die Muskeln sind mit Fleisch umspannt, das Fleisch wiederum mit Fett. Ein grosser, hochstehender Klassiker mit einem Potential, das vielversprechender ist als beim ewig gehätschelten 90er. In seiner besten Genussphase liegt hier vielleicht gar die Maximalnote drin (19/20). Eine Magnum bei Nina und Edi in Remscheid, kurz vor Weihnachten 2005: Dunkles Purpur mit erster Reife am Rand. Rotbeerige Nase, Johannisbeeren, feine Toastnoten, Früchtetee, Korinthen, zeigt pfeffrige Konturen. Feiner, eleganter Gaumen, die Säure wirkt hier noch etwas dominant über dem mittelschlanken Extrakt, ist noch jung und unfertig, dürfte aber insgesamt etwas mehr Süsse im Körper zeigen. Braucht noch gut 4 Jahre bis zur Genussreife und wird erst dann richtig zeigen wohin die Reise geht. (19/20). 06: Sehr dunkles, tiefes Weinrot mit Granatreflexen, am Rand immer noch lila Spuren. Grosses, bewegendes Cabernet-Terroirbouquet, Cassis und Pflaumentöne zeigend, eine verlockende, passende Süsse dabei zeigend die weit gefächert mitschwingt. Kräftiger Gaumen, immer noch jung, die Gerbstoffe verlangen deutlich nach weiterer Flaschenreife, innen noch grünwürziger Cabernet der aber zum Wein passt, kein besonders finessenreicher Wein aber einer mit einer zu akzeptierenden Aromenarroganz. Zwei Stunden Dekantieren. 07: Jörg Studach nahm ihn mit und ich trank den grössten Teil. Zwar noch sehr jung aber dank den recht feinen «Château-Margaux-Gerbstoffen» und vor allem durch seine Maulbeerensüsse und reifen Rotkirschentönen im Extrakt, jetzt schon genial. 08: Mitteldunkles Purpur. Würziges, junges, sehr eng und dafür tief wirkendes Bouquet, klare, direkte Cabernet-Sauvignon-Expression, Trüffelnoten, Teak- und Zederntouch und vor allem Kaffee. Im Gaumen viel Fleisch, ausgeglichene, aber noch verlangende Adstringenz, zeigt so vielleicht momentan fast noch mehr Grösse als der feinerer 95er. Ein gewaltiges Potenzial liegt in diesem Wein der noch mindestens 5 Jahre zur ersten, grosse Genussreife braucht. Dank seiner genialen Süsse im Innern ist ein gewisser Genuss aber auch heute schon vorhanden. (19/20). 11: Leuchtendes, dunkles Rubin-Purpur. Die Nase ist schon fast zärtlich, Weichselnoten, reife Kirschen, heller Milchkaffee, delikat und irgendwie leise, zeigt so eine fast parfümierte Delikatesse mit Wachsnoten und Maulbeeren im zweiten Ansatz. Im Gaumen wie er sein soll; seidig, fein und süss. Das ist ein tänzerischer Margaux im Stil von 1985, 1999 und 2001. Unendlich viele Facetten, alles im frischen rotbeerigen Bereich, bei extreme Länge. Würde sich auch in einem Burgunderglas beweisen – vielleicht gar noch besser. Insgesamt unglaublich frisch und jung von noch komprimierten Primärfrucht her. 11: Er hatte in Engelberg anfänglich einfach keine Lust jetzt schon getrunken zu werden. Der Cabernet war ziemlich fleischig, wild und noch ausbrechend, wie ein junger Klassehengst. Dann kamen Rauch und feine Rumtopfaromen von der warmsüssen Frucht im Untergrund, er legte dann in der Aromatik permanent zu und eröffnete mehr und mehr einen dramatischen Maulbeerenreigen. Soll man hier schon beginnen? Ich würde tendenziell warten. Denn hier bahnt sich in 10 Jahren ein möglicher Jahrhundertwein an. (19/2020). 16: Sattes, dunkles Purpur. Das Bouquet ist würzig und pfeffrig und hat zeigt mit seinem Zederntouch eine gewisse Saint-Julien-Affinität, noch zu jung im Ansatz aber dann doch etwas zugänglicher als der 1995er, welcher im Glas neben ihm stand. Mit Luftzutritt kommen auch immer mehr Fruchtnoten zum Vorschein. Im Gaumen stoffig, eine tolle, versprechende Adstringenz zeigend. Die Tannine haben da viel Finessen und das Potential ist – bei sehr guter Balance – für Jahrzehnte garantiert. (19/20). 16: In einer Blindprobe von Faugères wusste er vor allem mit seinen Kräuternoten zu gefallen. (19/20). 17: Sattes Purpur. Das Bouquet ist sehr intensiv und duftet nach einer Vielfalt von dunklen Edelhölzern, herrlichem Mokka, viel Zedern und hellem Tabak. Gibt sich recht kommunikativ und pfeffrig. Im Gaumen noch streng, satt und verlangend, die Adstringenz spielt sich nicht nur am Rachenraum, sondern auch auf der Zunge ab. Ein verlangender, strenger Wein mit einem immensen Potential. Noch weit weg von der ersten Genussreife. Da hilft selbst längeres Dekantieren nicht. (19/20). 22: Magnum. Aufhellendes Weinrot mit für sein Alter typischen, ersten Reifetönen. Schon recht zugängliches Bouquet; Hirschleder, Wildbret Fleisch, heller Tabak, Spuren von Rosinen und Edelhölzern. Sehr vielschichtig, fast parfümiert und seine Herkunft deutlich anzeigend. Im Gaumen wunderschön balanciert, die Restfrucht mit roten und blauen Beeren. Wenn man ihn schlürft, zeigt er das wunderschöne Margaux-Parfüm. Lange ausklingendes, royales Finale. Dieser fantastische Château Margaux scheint – auch in der Magnum – jetzt just auf dem Höhepunkt zu sein. (19/20).