René Gabriel
118 hl Cabernet Franc werden sehr wahrscheinlich deklassiert! <div style="font-style:italic;color:#990033">Ich bin mir noch nicht ganz sicher</div>, meinte Jean-Guillaume Prâts. <div style="font-style:italic;color:#990033">Der Cabernet Franc hat sehr unter der Trockenheit gelitten und deshalb habe ich ihn vorerst nicht für die Assemblage vorgesehen. Er schlummert momentan noch separat in einer Reihe Barriquen, aber ich werde ihn mit grösster Wahrscheinlichkeit vollständig deklassieren! Somit würde dann die Assemblage beim Cos ausnahmsweise bei 70 % Cabernet Sauvignon und 30 % Merlot liegen. Das ist aber nicht die einzige Ausnahme. Wir haben in den letzten zwanzig Jahren in unseren Stahltanks vergoren. Dieses Jahr habe ich die alten Betontanks mit sehr zufrieden stellenden Resultaten wieder zum Leben erweckt. Aufgrund seiner mächtigen Struktur erinnert mich der 2000er etwas an den Jahrgang 1986, nur hatten wir heuer viel weniger Ertrag, lediglich 48 hl/ha.</div> 01: Fassprobe (18/20): Tiefes Violett mit fast schwarzen Reflexen. Intensives Kaffee-, Palisanderbouquet, Kakaonoten, schwarze Oliven, Backpflaumen und feine Würztöne, unerhört intensiv und so geballt wie schon lange nicht mehr. Im Gaumen einen Mundvoll Wein, viel Fett, Fleisch und fein stoffige Konturen, blaubeeriges Fruchtspiel mit viel Brombeeren und wiederum Pflaumen, die Frucht ist perfekt reif und der Wein ist klar ausgerichtet, er hat das Potential vom genialen 96er Cos und zeigt die Rundungen vom üppigen 82er, ist aber noch um Nuancen feiner. Dabei zeigt er trotzdem, dass er ein St. Estèphe ist. Im Moment wirken die Merlot- und Cabernet-Trauben noch etwas polarisierend, aber das wird sich mit dem Barriquenausbau schon noch richten. Im Herbst 2001 wieder auf Cos degustiert: Während der Wein an Primeurproben eine gewisse Faszination zeigte und knapp die 18/20 Punkte erreichte, präsentierte er sich im Herbst 2000 sehr müde. Ist er im Herbst leblos, fad und ohne Charisma? Mein Gott, ich erinnere mich noch gut daran wie ich die 1985er, 1986er, 1988er und 1989er aus dem Fass verkostete. Alles recht grosse bis ganz grosse Weine. Aber dieser 2000er hat heute in derselben Phase nicht einmal die Hälfte dieser Faszination. Somit kann er das auch nicht in zehn Jahren hergeben, was er heute nicht hat, oder? Cos ist drauf und dran, alle Joker zu verlieren und unter den Super-Seconds (gehört er eigentlich moralisch noch dazu?) den schwarzen Peter zu ziehen. Wenn sich der 2000er auf diesem Niveau weiterentwickelt, dann wird er in seiner Genussphase nie mehr die 18/20 Punkte der Primeurverkostung erreichen. Bleiben wir aber bis es so weit ist noch auf der optimistischen Seite: (18/20). 04: An der Buchpremiere in Linz bekam ich einen kleinen Schluck. Erstaunlich das Bouquet; weil bereits nussig mit intensiven Kaffeeröstnoten. Im Gaumen samtig, weich und eigentlich jetzt schon viel Freude bereitend - ausser bei seinem Preis den er auch noch in 10 Jahren nicht wert sein wird. (18/20). 06: Drei Mal innert 2 Monaten erlebt. Einmal in Hamburg, einmal in Wien und einmal an der grossen Cos Probe in Appenzell. Mittleres Granat, zarter Ziegelrotschimmer am Rand. Röstiges Bouquet, Schwarzbrot, Pumpernickel und viel Zedernnuancen, heller Tabak. Im Gaumen noch fest, körnig, Lebkuchengewürze und Kardamom im dunkelröstigen, nach Mokka schmeckenden Finish. Ein grosser Bordeaux, der aber mit den anderen 2000er seiner Klasse nicht ganz mithalten kann. (18/20). 14: Leicht mattes Purpur mit lila Reflexen. Warmes Bouquet, viel dunkle Röstnoten, duftet nach Schwarzbrotkruste, reife Pflaumen, ein Hauch frisch gerösteter Kaffee, duftet fein und elegant. Kein komplizierter Nasenansatz, also «easy to handle». Im Gaumen stoffig, dicht, weiche Tannine, noch leicht mehliges Extrakt. Sonst aber irgendwie Friede, Freude Eierkuchen. Macht jetzt schon viel Spass. Kein ganz grosser Cos, weil etwas zu wenig konzentriert und somit auch nicht genügend komplex. (18/20). 18: Die Farbe zeigt erste, ziegelrote Nuancen. Die Nase ist ein würziges Zedernpaket, unterlegt von Pflaumentönen, Kaffee und Lakritze. Im zweiten Ansatz dreht das Bouquet voll auf Würze und erinnert an schwarze, just zerdrückte Pfefferkörner. Der Gaumen gibt sich weich und scharmant. Die restlichen Gerbstoffe passen harmonisch in den Gaumenfluss und so ist denn dieser Cos ein Ready-to-drink-Erlebnis ohne jegliche Reue. Man könnte hier vielleicht monieren, dass er als Super-Second nicht ganz mit seiner Liga mithält. Gejammert auf recht hohem Niveau. (18/20). 20: Sattes Purpur mit dezent aufhellendem, rubinem Rand. Offenes Bouquet, Zedernduft wie bei einem Saint Julien, Lakritze, schwarzes Pfeffermehl, feingeschichtet und vielleicht etwas zaghaft im Ansatz für diesen Jahrgang. Im Gaumen saftig, elegant, gut balanciert und milde ausklingend. Ein netter, guter, aber leider zu wenig grosser 2000er für sein generelles Ansehen und den Jahrgangsmöglichkeiten. Dafür ist er heute schon so was von «ready»! (18/20). 21: Ziemlich dunkles Purpur, keine Reifetöne. Intensiv duftendes Bouquet, Maroni Püree, Lakritze, Szechuan Pfeffer, Kardamom, Spitzwegerich, Black Currant Pastillen und kalter Rauch. Entwickelt sich positiv an der Luft und geht dabei auch noch etwas mehr in die Tiefe. Im Gaumen saftig mit mittlerem Druck, in der Textur feine Lücken aufzeigend. Zweifellos ein sehr guter 2000er. Mit seiner eigenen Klasse, oder mit ähnlich gelegenen Crus mag er leider nicht ganz mithalten. Zudem scheint er schon völlig auf dem Höhepunkt zu sein, was bei anderen Super-Second auch (noch) nicht der Fall ist. 18/20 trinken