René Gabriel
97: Fassprobe (18/20): Wuchtiges, ausladendes Pauillac-, Cabernet-Bouquet, viel Cassis, Heidelbeeren, sanfte, florale Würznote. Mundfüllender, weicher Gaumen, viel Aromatik, betörende Reife in den sich mollig anfühlenden Gerbstoffen. Ein frühreifer Charmeur. Im Mai 1997 wieder auf dem Château nachdegustiert: Habe ich ihn unterbewertet? Andere Weinjournalisten loben ihn in den höchsten Tönen. Mir fehlt irgendwie die Kraft und die Tiefe. Die Nase hat zwar viel Druck und dieser stammt wohl aus sehr alten Merlot-Reben, aber im Gaumen dürfte er etwas konzentrierter sein, um all die überhohen (?) Wertungen zu verdienen. Ich bleibe (noch) bei 18/20 Punkten. 00: Bei zwei Gelegenheiten degustiert. Beide Male Korken! Bahnt sich hier ein ähnliches Problem wie damals beim Pichon-Lalande 1986 an? 03: Auch im Bouquet erstaunlich jung, noch reduktiv, recht konzentriert. Im Gaumen für einen Pi-Co-La erstaunlich kräftig, ja schon fast muskulös, immer noch gute Reserven zeigend und somit auf die effektive Genussreife wartend. (18/20). 05: Delikates, grossartiges Bouquet, Mahagoninoten, Kandisnoten, Schwarztee, sehr edel, tiefgründige Terroir- und Rauchnoten, im zweiten Nasenansatz zeigen sich feine Kräuter und sogar Spuren von frischem Eucalyptus, Korinthen, Dörrbananen. Stoffiger, lang gezogener Gaumen, seidige und doch muskulöse Gerbstoffe, Maulbeeren, enorme Konzentration, trägt noch ein riesiges Potential in sich und wird sicherlich einmal zu den ganz grossen 1996er im Médoc gehören. Hat seit den der ersten Fassproben eher zugelegt. (06: Würziges Bouquet, grüne Pfefferschoten, Lakritze, sanft grasig, Lakritze, legt zu an der Luft und zeigt viel Finessen vom Nasenbild her. Saftiger, sehr fein gewobener Gaumen, seidige Tannine, schwarzbeerig und wieder einen leicht unterreifen Cabernetton zeigend, dahinter viel Reserven, druckvolles, sehr lange nachklingendes Finale. Wird trotz seiner Grösse immer eine leicht kühle Ausstrahlung zeigen. (19/20). 07: Mittleres Granat, wenig Reifetöne. Tiefwürziges Bouquet, Rauchtöne, Korinthen, Teer, Havannatabak, getrocknete Backpflaumen, Graffit, Zedern, unerhört intensiv. Saftiger, lang gezogener Gaumen, die Gerbstoffe sind fast schon integriert und die Adstringenz fein stützend und der Muskulatur Fleisch verleihend, dunkles Caramel im Finale. Hier paaren sich Finesse, Kraft, Terroir und eine bestechende Vinifikation! 09: In der ersten Reife, selten war ein Pichon-Lalande so dicht und zeigte so viel Druck im Finale. 09: Eine Impériale: Etwas zu früh und doch nicht schade. Einfach so getrunken, zeigte er noch mollige Reserven, aber sobald iwr etwas dazu assen, passte sich der Wein wunderschön an! Also definitiv erster Trinkgenuss. (19/20). 11: Mittleres Granat. Geniales, verschwenderisches süsses Bouquet, Cassisnoten und ein Hauch würziges Geraniol, Kandis, zeigt sich offen und spontan. Saftiger Gaumen, ein Tanz zwischen roten und blauen Beeren, geschmeidig und mit homogenem, traumhaft balanciertem Fluss. Man muss aufpassen, dass man das Glas nicht hemmunglos in einem Zug leert. (19/20). 12: Eine gigantische Impérialeflasche in Zürich im Zunfthaus zur Waage. Eine süsse Erotik versprühend, Caramel. Delikate Tannine, parfümiert, Kandisnoten im berauschenden Finale. Der Wein trinkt sich fast von selbst. (19/20). 14: Magnum. Dunkles Weinrot, noch keine Reifeanzeichen. Das Bouquet duftet nach Brombeeren und ist mit einem erfrischenden Melissentouch ausgestattet, Lakritze und schwarzer Pfeffer. Im Gaumen fleischig, konzentriert, noch Reserven anzeigend. Ist wohl in einer ersten und dann sehr langen Genussreife. Zeigt insgesamt viel typischen Pauillac-Geschmack. (19/20). 15: Magnum. Dunkel mit ersten, feien Reifetönen am Rand. Unglaublich süsses, pflaumiges Bouquet, Sandelholz, dunkle Pralinen, zwischen Endfrucht und aufsteigendem Terroir schwankend. Im Gaumen cremig, samtig, fetter Fluss mit vielen, runden Tanninen, im Finale geht es opulent weiter, extrem nachhaltig. Gehört zu den grossen Pichon-Lalande’s und gibt sich dabei eher klassisch, also auf Médoc-Terroir setzend. (19/20). 16: Magnum. Dunkles, leicht mattes Purpur-Granat, satte Mitte. Extremes Zedernbouquet, Graffitnote, Biermalz, und Lakritze. Also sehr dunkelwürzig, sanft trocken aber eine bemerkenswerte Tiefe anzeigend. Im zweiten Ansatz wunderschöne Röstnoten und durch seine cereale Note an Grahambrot erinnernd, legt ständig neue Aromenschichten frei. Im Gaumen sehr stoffig, sehr dicht und noch leicht mürbe, mit verlangenden Extrakt. Zeigt eine geniale, aber noch reservierte Cabernetaromatik. Bei Essensbegleitung zeigt er ganz sicherlich einen ersten, grossen Genuss. Der Wein wurde aus Magnumflaschen ausgeschenkt und ich frage mich, ob er aktuell aus normalen Flaschen nicht besser geschmeckt hätte. Das wird ein klassischer Pichon-Lalande, der nicht so viel Sex-Appeal hat wie sonst grosse Jahrgänge. Langsam entkorken und dabei ein paar Flaschen auf die Seite legen. (19/20). 16: Sattes, dunkles Weinrot. Würziges, konzentriertes Bouquet, viel Zedern, schwarzer Pfeffer, erste Öffnung und einen grossen Pauillac zeigend. Er wirkt offener als die Magnumflaschen, welche wir am Tag zuvor verkosteten. Im Gaumen stoffig, feinfleischig und eng gegliedert mit sehr eleganten Tanninen, gut balanciert und sensationelle Anlagen für die kommenden Jahre aufzeigend. Die erste Reife kann man vermuten und ist zeitnah zu erleben, das generelle Potential reicht für gut 30 Jahre. (19/20). 16: Malz, Caramel und dunkle Beeren. Das ergibt einen Spass ohne Ende! (19/20). 21: Mittleres Purpur-Granat. Kompaktes, tiefgründiges Bouquet mit Pflaumen, Brombeergelee, Arabica Kaffee und dunklen Edelhölzern. Intensiv zu Beginn, aber dann doch stetig weiter zulegend. Im Gaumen fleischig, festes Extrakt, konzentriert, ausgeglichene, reife Adstringenz, nachhaltiges Finale. Er befindet sich in der ersten Reife und gibt eine weitere Genussgarantie von mindestens 30 Jahren ab. Empfehlung; zwei Stunden Dekantieren. (19/20). 21: Die Farbe ist schon recht aufhellend, innen noch Weinrot, aussen relativ transparent. Geniales Bouquet, Johannisbeeren, viel Zedernduft, Pfeffermehl, Brotkruste, feine Kräuter- aber auch Terroirnoten. Gibt sich sehr vielschichtig und weiss nasal unglaublich gut zu gefallen. Im Gaumen mittelgewichtig, gut balanciert und mit saftigem Fluss unterwegs. Man findet Lakritze aber auch einen feinen, minim grünlich anmutenden Touch, hoch aromatisches Finale. Das ist ein Wein, den man jetzt hemmungslos geniessen kann. Und trotzdem ist/wäre es kein Problem ihn noch zehn weitere Jahre aufzuheben. Ohne Dekantieren geniessen. (19/20).