René Gabriel
06: Dunkles Granat mit lila Reflexen, tief in der Mitte. Verhaltenes Bouquet, viel Backpflaumen zeigend, tintige Anflüge, Trüffel, hat Mühe sich zu zeigend und wird im Nasenbild von seinen massiven Tanninen fast etwas blockiert. Fester Gaumen, blau- bis schwarzbeerige Konturen, fester, sanftkerniger Biss, fast schon brutale Adstringenz von Gerbstoffen die sich eher eckig bis arrogant zeigen und sehr, sehr viel Geduld verlangen werden. Noch ist das letzte Punktekapitel noch nicht geschrieben. Aber bis wir hier aufrunden, muss sich erst einmal ein Gegengewicht zu den dominierenden Gerbstoffen während der weiteren Fassreife und späterer Flaschenreife zeigen. (18/20). 09: Dunkles Granat, satt in der Mitte. Warmes Bouquet von Dörrfrüchten, Teer und Trüffelnoten, zeigt sich ziemlich füllig im Ansatz, obwohl er noch verschlossen ist. Im Gaumen fest, mit Fleisch und Biss, aber reifen Tanninen und deshalb ist er als Essbegleiter doch ein guter Sparringpartner. (18/20). 11: Dunkles, sattes Granat. Dicht und tief, rotbeerige Tendenzen, herrliche Kirschentöne, herrliches Terroirparfüm, Steinmehl und weisser Pfeffer, die typische, feminine 2005er-Süsse dokumentierend. Eleganter Gaumen, die Gerbstoffe sind schon wunderschön integriert, die Säure ist noch etwas vordergründig, braucht viel Zeit, muss aber dabei das dezent kapselige noch ablegen. (18/20). 11: Nobles Bouquet, dunkle Schokonoten, Edelhölzer, etwas Tabak und feine Lederspuren, die Frucht wirkt reif und zeigt pflaumige Konturen. Ausgeglichene Adstringenz, samtiges Extrakt, dezent tintige Noten im Extrakt, die Flaschen verlangt nach recht viel Reife. Aus alle Fälle ein grosses Terroir anzeigend. (19/20). 15: Noch sehr jung unf fordernd. Ein ernsthafter Wein, mit einer gewissen Introvertation. Zumindest noch für die nächsten 5 Jahre. (19/20). 19: Extrem dunkel, in der Mitte fast schwarz. Das Bouquet zeigt den Wunsch, erstmals nach langen Jahren der Verschlossenheit, gefallen zu wollen. Er zeigt dabei mehr Würze wie Frucht. Erst findet man Alpenheidelbeeren, dann wechselt das Nasenbild aber schnell auf schwarzen Pfeffer, Karbonileum, dunkles Leder und Baumnuss. Im Gaumen zeigt er von Beginn weg seine dramatische Länge, die Tannine bilden eine noble, jedoch immer noch verlangende Adstringenz. Dekantieren! (19/20). 21: Dunkles Rubin mit letzten violetten Reflexen. Obwohl noch zurückhaltend, zeigt sich das engmaschige Bouquet präzise und fadengerade. Das Nasenbild strahlt ebenso viel florale wie fruchtige Noten aus. Letztere sind minim rotbeerig und vor allem blau- und schwarzbeerig, ergänzt mit Lakritze, schwarzer Schokolade und Minze und Thymian. Im Gaumen tritt er erst sehr angenehm auf. Schon fast eine erste Reife vortäuschend, dann greifen die Gerbstoffe zu und erhöhen die Adstringenz. Sie vermelden die Botschaft eines sehr langen Lebens. Perfekt vinifiziert und einer der ersten grossen Weine von Château Montrose nach der langen Ära der Familie Charmolüe. (19/20). 22: Magnum. Purpur-Violett-Schwarz. Was für eine Farbe! Gibt sich, für einen jungen Montrose, relativ zugänglich. Tintiger Ansatz. Backpflaumen, Trüffel, schwarze Pfefferkörner, Pfeifentabak. Trotz seiner vermuteten Kraft gibt er sich durchaus nobel im Nasenbild, erhaben, royal. Nach ein paar Minuten duftet es nach Heidelbeeren und schwarzer Johannisbeeren. Dann folgen frische Kräuter und der nasale Reigen wird immer vielschichtiger und grösser. Im Gaumen gefällt er durch seine stromlinienförmige Art, ist gerade und präzis ausgerichtet. Die massigen und doch angerundeten Tannine wissen sich einzugliedern. Das Finale berauscht und beindruckt gleichzeitig. Ein perfekter Montrose auf dem Weg zur Maximalwertung. Diese erreicht er wohl in etwa 10 Jahren. Wer wartet, kriegt da noch mehr. Wer nicht wartet, kriegt jetzt schon ganz viel. (19/20).