Die besten Whiskies 2025: Wenn Alter zur Nebensache wird

GlenAllachie 12 schlägt die Konkurrenz, ein kanadischer Rye gewinnt erstmals weltweit, Heaven Hill dominiert mit Old Fitzgerald VVS. Die World Whiskies Awards 2025 zeigen: Exzellenz ist keine Frage des Alters mehr.
Schottland ist zurück an der Spitze. Mit einem Zwölfjährigen.
Die World Whiskies Awards 2025 haben etwas geschafft, was in der Branche selten vorkommt: Sie haben die Gewissheiten erschüttert.
Die WWA 2025 krönen einen 12-jährigen Scotch Whisky. Kanada hat seinen ersten globalen Rye-Sieg eingefahren. Aus einer Brennerei, von der außerhalb Albertas kaum jemand gehört hat. Und Heaven Hill? Die haben mit einem 13 Jahre alten Wheated Bourbon die etablierte Premium-Konkurrenz deklassiert.
Was die World Whiskies Awards 2025 wirklich bedeuten
Die Ergebnisse der WWA 2025 zeigen einen fundamentalen Wandel:
Alter ist kein ultimatives Qualitätsmerkmal mehr
GlenAllachie 12 schlägt Whiskies, die das Doppelte kosten. Old Fitzgerald VVS ist 13 Jahre alt und World's Best Bourbon. Jack Daniel's 12 YO ist die erste 12-jährige Abfüllung der Destillerie – und sofort ein Gewinner.
Kleine Brennereien können mit den Großen mithalten
GrainHenge aus Alberta, eine 500-Liter-Brennerei, hat die etablierte Rye-Konkurrenz geschlagen. Holyrood aus Edinburgh ist Distiller of the Year. Stauning aus Dänemark gewinnt in der Single Cask Rye-Kategorie.
Kanada emanzipiert sich
Jahrzehntelang war kanadischer Whisky gleichbedeutend mit milden Blends. GrainHenge Arrowwood hat gezeigt, dass Kanada auch Premiumqualität liefern kann.
Tennessee ist keine Bourbon-Variante
Jack Daniel's 12 YO ist ein Statement: Tennessee Whiskey ist eine eigenständige, geschützte Kategorie mit eigenen Qualitätsstandards.
Irland ist zurück
Redbreast 27 zeigt, dass die irische Pot-Still-Tradition nicht nur historisches Handwerk ist, sondern modernes Qualitätsmerkmal.
GlenAllachie 12 Years Old: Schottlands stille Rückkehr
World's Best Single Malt 2025
Speyside, Schottland | 46% ABV
Vier Jahre lang hat kein schottischer Single Malt die höchste Auszeichnung gewonnen. Vier Jahre, in denen Japan, Irland und andere Nationen die Bühne beherrschten. Jetzt ist Schottland zurück – mit einem Whisky, der nicht laut nach Aufmerksamkeit schreit, sondern leise seine Komplexität entfaltet.
Billy Walker hat die GlenAllachie Distillery 2017 von Pernod Ricard übernommen, als sie in Vergessenheit geraten war. Seine Philosophie:
"Außergewöhnliches Holz ist der Schlüssel zu überlegenem Whisky."
Der 12 Years Old reift ausschließlich in Ex-Sherry-Fässern, wird nicht kühlgefiltert und kommt ohne künstliche Färbung aus. In der Nase: dunkle Schokolade, Melasse, Honig. Nach ein paar Minuten im Glas offenbaren sich Espresso, klebrige Rosinen, eine fast umami-artige Würze von Kreuzkümmel.
Am Gaumen dann Marzipan, warmer Mokka, Butterscotch. Feige, dunkle Schokolade, Rosinen. Das Finale ist mittellang bis lang, mit getrockneten Früchten, zartem Holz und einem Hauch Espresso-Bitterkeit, die Struktur gibt.
Hier bekommt man eine Komplexität, die Whiskys der doppelten Preisklasse in den Schatten stellt.
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Old Fitzgerald 2024 VVS: Heaven Hills stiller Triumph
World's Best Bourbon 2025
Kentucky, USA | 50% ABV
Old Fitzgerald ist eine Legende. 1882 gegründet, gehört die Marke heute zu Heaven Hill – und die 2024 VVS (Very, Very Special) ist eine Hommage an 25 Jahre seit der Übernahme der Bernheim Distillery.
13 Jahre alt. Wheated Bourbon. Bottled-in-Bond.
Das Besondere: Der amerikanische Whiskey wurde 1999 destilliert, 2013 in Stahltanks umgefüllt und dort über ein Jahrzehnt gelagert. Eine unkonventionelle Methode, die die Reifung verlangsamt und die Aromen stabilisiert.
Die Mashbill: 75 Prozent Mais, 20 Prozent Weizen, 5 Prozent gemälzte Gerste. Der hohe Weizenanteil reduziert die Schärfe und erhöht die Geschmeidigkeit – ein Signature-Merkmal der Old-Fitzgerald-Linie.
In der Nase: Vanille, Honig, geröstete Eiche. Am Gaumen reiches Karamell, Backgewürz, Butterscotch. Eine ölige Textur, die sich im Mund ausbreitet, ohne alkoholische Schärfe. Das Finale ist lang, cremig, mit Zimt und Muskatnuss.
Wer eine Flasche ergattert hat, darf sich glücklich schätzen
Heaven Hill hat bei den WWA 2025 insgesamt neun Auszeichnungen erhalten. Die 2024 VVS war ursprünglich nur in Kentucky erhältlich und innerhalb weniger Tage ausverkauft.
Redbreast 27 Years Old: Irlands Pot-Still-Meisterwerk
World's Best Pot Still 2025
County Cork, Irland | 54–54,6% ABV
Redbreast verkörpert die irische Pot-Still-Tradition: gemälzte und ungemälzte Gerste, dreifach destilliert in Kupferkesseln. Die 27 YO ist die älteste permanente Expression der Range – und ein Monument der Reifungskunst.
Dreifache Destillation bedeutet: Die Low Wines werden bei 40 Prozent ABV erzeugt, dann ein zweites Mal auf 70 Prozent destilliert, schließlich ein drittes Mal auf 85 Prozent. Das Ergebnis ist eine Reinheit und Sanftheit, die schottische Single Malts selten erreichen.
Triple-Fass-Strategie
Die Reifung erfolgt in Bourbon-, Oloroso-Sherry- und Ruby-Port-Fässern. Eine Triple-Fass-Strategie, die enorme Komplexität aufbaut. Der Ruby Port verleiht zusätzliche Farbe und intensive dunkle Beerennoten.
In der Nase: kompottierte Früchte, poliertes Holz, getrocknete Früchte. Am Gaumen rote Früchte, schwarzes Karamell, komplexe Gewürze. Die Textur ist dick, ölig, fast nahrhaft. Mandel, Haselnuss, Walnuss-Finesse. Das Finish ist extrem lang, würzig, mit Eiche und anhaltender dunkler Schokolade. Ein 27-jähriger Whisky, der sich Zeit lässt – und genau deshalb überzeugt.
Redbreast 27 ist nicht billig. Aber wer verstehen will, warum die irische Whisky-Renaissance mehr ist als Marketing, sollte hier anfangen.
GrainHenge Arrowwood: Kanadas leise Revolution
World's Best Rye 2025
Alberta, Kanada | 46,6% ABV
Dies ist vielleicht die größte Überraschung der WWA 2025. Ein kanadischer Rye aus einer 500-Liter-Brennerei in Red Deer, Alberta, hat die etablierte Konkurrenz aus Kentucky und anderswo geschlagen. Zum ersten Mal überhaupt.
Troubled Monk ist eigentlich eine Brauerei. Master Distiller Garrett Haynes hat sich entschieden, Whisky zu machen – nicht, um Trends zu folgen, sondern weil er glaubt, dass Roggen mehr kann, als nur würzig zu sein. Seine Philosophie:
"Ich versuche nicht, Rye-Whisky herzustellen. Ich versuche, den besten Whisky aus Roggen herzustellen."
Die Mashbill: 61 Prozent Flaked Rye, 39 Prozent Rye Malt. Reifung: 39 Monate in neuer amerikanischer Weißeiche mit #4 Char.
In der Nase: Rose, milde tropische Früchte, geröstetes Getreide. Mit etwas Luft: getrocknete Rosenknospen, Minze, Eukalyptus, gebutterter Toast, weiße Schokolade. Am Gaumen überraschend weich. Vanille-Fudge, glasierter Zucker, grüner Apfel. Ein großer Schub Menthol und Eukalyptusöl verleiht dem Ganzen eine herbale Frische. Das Finale ist lang, pfeffrig, mit gerösteter Eichenwürze und Nelke.
Garrett Haynes hat bewiesen, dass Kanada mehr kann als Blended Canadian Whisky.
Jack Daniel's 12 Years Old: Tennessee schreibt Geschichte
World's Best Tennessee Whiskey 2025
Tennessee, USA | 53,5% ABV
Dies ist die erste 12-jährige Abfüllung in der Geschichte von Jack Daniel's. Ein Meilenstein. Ein Beweis dafür, dass Tennessee Whiskey nicht nur eine Bourbon-Variante ist, sondern eine eigenständige Kategorie.
Das Lincoln County Process ist entscheidend: Vor der Lagerung wird der destillierte Whiskey durch gepackte Zuckerkieferholzkohle gefiltert. Das glättet die Rohheit und erzeugt die charakteristische Tennessee-Sanftheit.
In der Nase: karamellisierte Banane, charakteristisch für Tennessee Whiskey. Am Gaumen: brandy-getränkte rote Früchte, Steinfrüchte wie Pfirsich und Aprikose. Eine Geschmeidigkeit, die für eine 12-jährige Abfüllung bemerkenswert ist. Das Finish ist ausgewogen, glatt, lang anhaltend. Keine aggressive Eiche, kein brennender Alkohol. Nur ein Whisky, der weiß, was er ist – und keine Entschuldigungen dafür braucht.
Jack Daniel's 12 YO ist eine limitierte Veröffentlichung. Wer eine Flasche findet, sollte nicht lange überlegen.
Weitere Gewinner für spezialisierte Kategorien
Die WWA 2025 haben auch in spezialisierten Kategorien Trophäen vergeben. Darunter:
Best Single Barrel Bourbon
Blanton's Straight from the Barrel (Kentucky) – 64,5 Prozent ABV, Cask Strength, kompromisslos.
Best Blended
Three Ships Bourbon Cask (Südafrika) – ein Signal, dass Whisky-Exzellenz nicht auf die klassischen Nationen beschränkt ist.
Best Blended Malt
Great Drams Campbeltown (Schottland) – die Renaissance einer fast vergessenen Region Schottlands.
Best Blended Limited Release
Ichiro's Malt & Grain 2025 (Japan) – eine einzigartige japanische Blended Expression.
Best Single Cask Single Rye
Stauning Smoked Rye Virgin Cask #1359 (Dänemark) – 61,2 Prozent ABV, innovativ, überraschend.
Dänemark, Südafrika, Campbeltown: Die Whisky-Welt ist zweifelsohne größer geworden.
Icons of Whisky 2025: Die Menschen hinter den Flaschen
Whisky-Exzellenz ist eine Frage des Geschmacks – und der Menschen, die dahinterstehen. Deshalb zeichnen die WWA zeichnen nicht nur Whiskys aus, sondern auch die Menschen, die sie machen:
Distiller of the Year: Holyrood Distillery (Edinburgh)
Distillery Manager of the Year: Jaime Jordan, Irish Distillers
Master Distiller of the Year: Stephanie Macleod, Dewar's
Brand Innovator: Bardstown Bourbon Company
World Whisky Brand Ambassador: Rob Patchett, Cotswolds Distillery
Empfehlungen: Was Sie jetzt tun sollten
Bester Whisky für Einsteiger
GlenAllachie 12 YO. Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis aller Trophy-Gewinner. Komplex, zugänglich, nicht überteuert.
Bester Whisky für Sammler
Old Fitzgerald 2024 VVS. Limitiert, Kentucky-exklusiv, historisch. Potenziell starke Wertsteigerung.
Redbreast 27 YO. Ikonischer Irish Pot Still, Cask Strength, endliche Fässer. Ein Muss für ernsthaftes Sammeln.
Bester Whisky für Trend-Verfolger
GrainHenge Arrowwood Batch No. 2 (Sommer 2025). Der erste kanadische Rye, der global gewonnen hat.
Wie funktioniert das WWA-System?
Die World Whiskies Awards unterscheiden sich von vielen anderen Wettbewerben durch ihre Breite. Über 1.000 Einreichungen jährlich, bewertet von einem international besetzten Panel: Journalisten, Einzelhändler, Bartender, Destillerie-Manager.
Blind Tasting mit unabhängiger Jury
Das Prinzip ist simpel: Was im Glas überzeugt, gewinnt. Was nicht überzeugt, verschwindet in der Versenkung. Die Jury ist bewusst divers zusammengesetzt. Ein schottischer Master Distiller bewertet anders als ein New Yorker Bartender. Ein Einzelhändler aus Tokio hat andere Prioritäten als ein Journalist aus London. Diese Vielfalt verhindert, dass eine einzelne Geschmacksrichtung dominiert. Hier haben wir es mit einem Wettbewerb zu un, der nicht nur den etablierten Marken applaudiert, sondern auch jenen, die leise, aber entschlossen an der Qualität arbeiten.
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